»Ich bin das Gesamtkunstwerk« – diesen dahingeworfenen Satz des Protagonisten in Mark Kanaks vielschichtigem Hörspiel kann man ohne zu zögern auf das ganze Stück anwenden. Es ist ein Gesamtkunstwerk der besonderen Art: ein akustisches Feuerwerk, ein Höllentrip direkt ins Gehirn eines Menschen, der ohne sein Zutun in ein Tollhaus geraten ist. Ähnlich wie Herrn K. aus Kafkas Prozeß scheint auch Niedermoor, einem 62-jährigen Patienten in einer nicht näher bezeichneten Anstalt, ein unerklärliches Delikt vorgeworfen zu werden. Obwohl Niedermoor sich nicht daran erinnert, dieses jemals begangen zu haben, wird er in einem Tollhaus festgehalten – einem geisterhaften Ort, der alle Züge einer totalen Institution trägt und von dem man nicht genau weiß, ob man sich darunter eher eine Irrenanstalt oder ein Gefängnis vorzustellen hat. Kanaks düsteres Hörspiel setzt mit dem Vorlesen der Hausordnung ein, die Satz für Satz das Stück strukturiert, in dem wir Niedermoor auf seiner verzweifelten Suche nach sich selbst begleiten …
Ruth Johanna Benrath

